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Klimagerechtes Bauen: Heiner Farwick und BDA-Kollegen fordern radikale Abkehr vom Wachstum und mehr Achtung des Bestands

Foto: Leon Lenk

„Kulisse und Substanz – Plädoyer für ein ökologisch-gesellschaftliches Umdenken“: Unter diesem brandaktuellen Leitthema stand der 15. BDA-Tag des Bundes Deutscher Architekten BDA in der Leopoldina in Halle (Saale), bei dem BDA-Mitglieder und Fachleute aus Architektur, Politik und Wirtschaft gemeinsam über Architektur in Zeiten des Klimawandels diskutierten. Höhepunkt der Tagung war der mehrheitliche Beschluss des programmatischen Positionspapiers „Das Haus der Erde“, mit dem die rund 5.000 Architektinnen und Architekten des BDA zu einer klimagerechten Architektur in Stadt und Land aufrufen. Das Papier ist eine Fortentwicklung des Klimamanifests „Vernunft für die Welt“, das bereits vor zehn Jahren verabschiedet wurde.

BDA-Präsident Heiner Farwick betonte in seiner Eröffnungsansprache die große Vorreiterrolle, die dem Berufsstand der Architekten beim Thema Klimawandel und Ressourcenschonung zukommt: „Für Betroffenheit und Absichtserklärungen ist die Zeit längst vorbei. Es gibt eine Pflicht zum Handeln. Wir haben nur diese eine Welt, für deren Erhalt wir als Einzelne, als Gemeinschaft, aber auch als Berufsstand noch zu wenig tun.“ Im Folgenden forderte er seine Kolleginnen und Kollegen, Bauherren, Verwaltung und Politik auf, sich verantwortlich zu zeigen und sich aktiv für eine Lebensweise des Wiederverwendens, Umnutzens, Nachnutzens und Mitnutzens einzusetzen, die nachfolgenden Generationen eine Zukunft auf der Erde bewahrt. Damit bekräftigte er die Haltung des BDA, zukünftig der Umnutzung des Bestandes und der Nutzung der „Grauen Energie“ Vorrang vor dem Neubau zu geben. Vor allem aber müsse mit hoher Qualität geplant und gebaut werden, damit Gebäude städtebaulich, gestalterisch und funktional über viele Jahrzehnte Bestand haben können, ohne weitere Ressourcen zu verbrauchen. 

Diese Haltung stieß auch auf große Zustimmung bei Bau-Staatssekretärin Anne Kathrin Bohle, die nach Vorstellung der zehn Kernpunkte des Positionspapiers spontan ihr Manuskript verwarf und begeistert auf die einzelnen Thesen einging: „Ich wäre am liebsten sitzengeblieben und hätte einfach unterschrieben.“

Heiner Farwick sah dies als Aufforderung zum Handeln und Verpflichtung aller BDA-Mitglieder zur selbstbewussten Einmischung auf allen Ebenen und resümierte am Ende der Veranstaltung: „Nun gilt es, das Handeln konsequent an den Positionen für eine klimagerechte Architektur in Stadt und Land auszurichten.“